Neues Mehrzweckboot (MZB) auf den Name "Hedwig Dietl" getauft

15.07.2026
Technik Mehrzweckarbeitsboot
Einen großen Bahnhof für ein Boot gab es am Sonntagvormittag in Sossau bei der Wache Nord: Mitglieder aller fünf Straubinger Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr, Boots- und anderer Vereine waren gekommen. Für die Taufe entfernte die Frau des Oberbürgermeisters extra ihren roten Nagellack. Neue Feuerwehreinsatzfahrzeuge werden zwar regelmäßig gesegnet, eine Bootstaufe ist jedoch selten - „so rund alle 35 Jahre“, betonten die Redner in ihren Grußworten. „Hedwig Dietl“ heißt das neue Feuerwehrmehrzweckboot (MZB), das derzeit wahrscheinlich das modernste Feuerwehrboot im Freistaat ist, wie Stadtbrandrat Stephan Bachl betonte.

Stefan Färber, der Zugführer des Löschzugs Nord, freute sich über die zahlreichen Gäste bei der Bootstaufe und dankte seiner Mannschaft, die die Veranstaltung kurzfristig so gut organisiert habe. Er dankte außerdem der Feuerwehrführung mit Stadtbrandrat Stephan Bachl und Stadtbrandinspektor Michael Schießl sowie allen Löschzügen für die allzeit gute Zusammenarbeit. Neue Technik und Fahrzeuge würden bedarfsgerecht für alle Züge beschafft. Der Löschzug Nord sei traditionell neben den gewohnten Feuerwehraufgaben stark auf der Donau vertreten. Seine Mannschaft danke für das Vertrauen. Mit Training und Engagement sei man jederzeit zur Stelle, wenn der Alarm rufe. Der Stadt und dem Stadtrat dankte er für das neue Boot. Die Freiwillige Feuerwehr brauche moderne Ausrüstung, um Bürgern in Not beistehen zu können - diese seien die eigentlichen Nutznießer des MZB. Rund 200.000 Euro kostet das Boot, der Freistatt unterstützt mit 95.000 Euro Förderung. Mit einem Augenzwinkern dankte er Carola Pannermayr dafür, dass sie das Boot taufe: „Sie ist nicht nur die Frau des Oberbürgermeisters, sondern vorallem auch sehr sympathisch.“

Stadtbrandrat Bachl baute für die Boots-Patin einen Spannungsbogen auf. In der Zentrumswache habe man sich viele Gedanken gemacht, damit die Sektflasche auch ordnungsgemäß zerbreche. Zahlreiche Versuche seien fehlgeschlagen, bis man im Internet den Tipp gefunden habe, die Flasche leicht anzusägen. Überrascht sei man auch gewesen, dass nach dem Zeitungsartikel „Name für Boot gesucht“ Telefon und E-Mail einen Tag lang nicht stillgestanden hätten. Bachl betonte, dass Wasserrettungen alles andere als einfach seien und die „Norderer“ im Winter um zwei Uhr nachts bei Nebel und Kälte harte Einsätze fahren müssten - das seien keine Sommerfahrten bei strahlendem Sonnenschein. Er erinnerte ebenso wie Carola Pannermayr an die Namensgeberin und deren enge Verbindung zur Wehr (siehe Artikel unten). Diese hatte sich gut vorbereitet. Sie erzählte, dass sich ihr Mann (der wahrscheinich seinen ersten termin ohne Redebeitrag meisterte) am Morgen gewundert habe, warum sie ihren roten Nagellack entfernt habe. „Bootstaufen sind mit Aberglauben behaftet.“ Man dürfe nichts Rotes tragen, da dies Gefahr bedeute, und auch nichts Schwarzes, weil dies für Tod stehe (daher die dunkelblaue Hose).

Carola Pannermayr ging darauf ein, dass sie eng mit der Feuerwehr verbunden sei und deren freiwillige Arbeit sowie Einsatzbereitschaft sehr schätze. Ihr Sohn sei aktives Mitglied, und als Mutter sei man zwar stolz darauf, mache sich bei jedem Einsatz aber auch Sorgen: „Kommt er heil zurück?“ Ihr Mann bekomme als Stadtoberhaupt ebenfalls jeden größeren Einsatz mit und fahre häufig selbst dorthin. Sie wünschte der „Hedwig Dietl“ allzeit gute Fahrt, die Handbreit Wasser unterm Kiel und der Besatzung, dass sie nach jedem Einsatz gesund nach Hause zurückkehre - und bei Übungsfahrten auch einmal Spaß haben dürfe.

Das Fräulein, das erstes Ehrenmitglied der Wehr wurde

Sie war Unternehmerin, Wirtin und Wohltäterin. Hedwig Dietl, eine Straubinger Institution, erfüllte die Stadt mit Leben. Die Freiwillige Feuerwehr Straubing hält sie, die erste Ehrenfeuerwehrfrau der Stadt, nun weiter „am Leben“. Das topmoderne Mehrzweckboot trägt nun den Namen „Hedwig Dietl“. Bereits 1950 wurde sie Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Straubing, da sie und ihre Familie Dietl-Loichinger bereits ab 1884 immer ein Unterstützer und Gönner der Wehr waren. Mit „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“, konnte das Fräulein viel Anfangen. Immer wieder unterstützt sie die Wehr mit Zuwendungen. Am 22. August 1956 feierte „Die gesamte Mannschaft der traditionsreichen Straubinger Feuerwehr, vom jüngsten bis zu den Senioren im Dietlsaal einen Ehrenabend für die beliebte und geschätzte Gönnerin der Wehr, Fräulein Hedwig Dietl“, berichtet damals das Straubinger Tagblatt. Gefeiert wurde nicht nur der 80. Geburtstag des einzigen Ehrenmitglieds der Wehr, sondern auch, dass seit 1881 das Wirtshaus „Zum Loichinger“ Versammlungslokal der Feuerwehr war, also bereits seit 75 Jahren. Oberkommandant Karl Schneider würdigte die Ehrenfrau Das Wirtshaus „Zum Loichinger“ gibt es noch heute, wir kennen es als „Gäubodenhof“. Als Hedwig Dietl „schnell und unerwartet am 8. Dezember 1959 verschied“, schaltet die Feuerwehr eine Traueranzeige im Tagblatt: „In großers Trauer steht die Wehr an der Bahre dieser großer Förderin und edlen Gönnerin unserer Feuerwehrsache. Wir werden ihr Andenken immer in großen Ehren halten.“ Das hält man ein: 67 Jahre nach ihrem Tod trägt nun das wahrscheinlich modernste Feuerwehrboot Bayerns ihren Namen. Die Besatzung der Hedwig wird und darf oft an sie denken, wenn sie mit ihrem Mehrzweckboot unter der Donaubrücke vorbeifahren. Der Heilige Christopherus begrüßt an der Ostwand des Herzogschlosses alle Besucher der Stadt. Das Fresko wurde 1934 von Hedwig Dietl gestiftet. „Christusträger“ hat das Jesuskind als Riese über einen gefährlichen Fluss getragen. Die „Hedwig-Besatzung“ steht auch für Gefahren bereit.